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Tierwohl

Innovationspreis für mehr Tierwohl

Datum: 09.04.2019Quelle: Initiative Tierwohl | Ort: Bonn

Die Initiative Tierwohl (ITW) zeichnete erstmals innovative Ideen und Projekte rund um die Schweine- und Geflügelhaltung mit dem Innovationspreis Tierwohl aus.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hob in einem Grußwort während der Preisverleihung im „Haus Ungarn“ in Berlin das Engagement der Preisgewinner sowie der ITW für Innovation in der Landwirtschaft hervor. Ausgezeichnet wurden vier Landwirte, zwei wissenschaftliche Projekte erhielten den Zuschlag für eine finanzielle Förderung. Zur Jury gehörten neben Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, der den Vorsitz innehatte, Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

„Wir freuen uns über die vielen innovativen Beiträge zur Verbesserung des Tierwohls in der Nutztierhaltung“, sagte Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Innovative Ideen zu etablieren ist selbst dann eine Herausforderung, wenn diese wirklich nützlich und sinnvoll sind. Wir leisten mit dem Preis einen Beitrag dazu, solche Innovationen zu unterstützen.“

Verbesserungen im Stall

„Innovative Ideen sorgen für mehr Tierwohl – ob nun in der konventionellen oder ökologischen Tierhaltung“, sagte Julia Klöckner. „Zum ersten Mal zeichnet die Initiative solche Ideengeber aus, die mit guten Einfällen für Verbesserungen sorgen. Auch mit meinem Ministerium bin ich dabei, die Ställe der Zukunft zu entwickeln. Das wollen wir mit der Sicherung der wirtschaftlichen Grundlage der Landwirte erreichen. Zudem arbeiten wir zielstrebig an unserem staatlichen Tierwohlkennzeichen.“

Mobiler Schweinestall gewinnt

Die Landwirtin Gabriele Mörixmann erhielt für die Idee eines Aktivstalls für Schweine den Preis für das innovativste Konzept. Den ersten Platz, der mit 10.000 EUR dotiert ist, vergab die Jury an den Schweinehalter Peer Sachteleben. Er entwickelte eine Auslaufhaltung in mobilen Schweineställen. Sie kombiniert Vorteile einer Stall- und Freilandhaltung. Im mobilen Stall steht den Tieren ein geschützter Raum mit großen Liegeflächen, verschiedenen Klimazonen und einer fest installierten Wasser- und Futterversorgung zur Verfügung. Neu ist, dass die Ställe fahrbar sind und sich mit den Tieren an Board als Anhänger ziehen lassen. Das ermöglicht dem Landwirt, die Ställe auf unterschiedliche Weideflächen umzustellen und den Tieren so einen Zugang zu großem Auslauf im Freiland zu bieten. Durch einsetzbare Türelemente erfüllen sie auch die strengen Vorgaben zum Seuchenschutz.

Der mit 7.000 Euro dotierte, zweite Platz ging an den Landwirt Heinz Hackmann. Um das Konzept in einem alten Stall der Schwiegereltern umzusetzen, reichten kleinere Umbaumaßnahmen aus. So bietet der Stall heute 240 Tieren vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten, viel Platz und Tageslicht. In den fünf unterschiedlichen Stallbereichen wechseln sich Spaltenböden und Stroh ab. Es gibt Liege- und Spielbereiche, Scheuerbalken, Sisalseile, Bürsten und Ketten mit Weichhölzern. Auch zum Fressen und Saufen müssen die Schweine aktiv werden, um die Tränken und Futterstellen zu erreichen. Das Verhalten der Tiere in der Gruppe hat sich verbessert.

Den dritten Platz für erfolgreich umgesetzte Projekte in der Landwirtschaft belegte der Schweinemäster Christoph Becker für die Umstrukturierung seines Stalls, die zu mehr Bewegungsfreiheit für die Tiere führte. Anstelle von sechs Buchten für jeweils fünfzehn Tiere gibt es nun zwei große Buchten für je 45 Schweine. Dafür wurden die Trennwände zwischen den Buchten entfernt und durch kurze Stichwände ersetzt. Die Stroh- und Futterautomaten stehen zentral an einer Stelle, wodurch eine gemeinschaftliche Futteraufnahme begünstigt wird. Zuletzt wurden die Trennwände zwischen den Buchten im hinteren Bereich entfernt. Nur noch ein Kontaktgitter trennt die beiden Bereiche voneinander ab. Nun können sich alle Schweine im Raum sehen und kennenlernen. In den Fußboden wurden Heizungsrohre eingesetzt, die den Stall erwärmen und kühlen können. Er erhält dafür 5.000 Euro.

Frühwarnsystem und Klimamanagement

Neben den Preisträgern aus der Landwirtschaft gewannen zwei wissenschaftliche Projekte eine finanzielle Förderung zur Umsetzung. Den Zuschlag erhielt zum einen die Veterinärmedizinerin Dr. Birgit Spindler für die Entwicklung eines kameragesteuerten Frühwarnsystems, das gegenseitiges Verletzen von Puten erkennen soll. Zum anderen erhielt Gé Backus von Connecting Agri & Food eine Förderung für das Pilotprojekt „Kluger Stall“, bei dem es um eine innovative Lösung zum Management des Klimas in Schweineställen geht. Das Fördervolumen für die beiden wissenschaftlichen Projekte beträgt fast 400.000 EUR.

Prof. Dr. Harald Grethe (Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Peter Kunzmann (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover), Prof. Dr. Robby Andersson (Hochschule Osnabrück) und Prof. Dr. Lars Schrader (Friedrich-Loeffler Institut) übergaben als weitere Mitglieder der Jury die Preise an die Landwirte. Die ITW plant den „Innovationspreis Tierwohl“ regelmäßig auszuloben.

Martina Kalus / Redaktion

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