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ASP Offenstallhaltung Fachtagung Vechta

Schweine vor ASP schützen

Datum: 19.02.2024Quelle: Universität Vechta | Ort: Vechta |

Fachtagung des Verbunds trafo:agrar und des HMLU

Über 120 Teilnehmer aus landwirtschaftlicher Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und des Veterinärwesens sind der Einladung des Verbunds Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) sowie des Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt (HMLU) gefolgt. Sie haben am Donnerstag, 15. Februar 2024, auf einer Fachtagung zur Vorstellung der ASP-Risikoampel „Offenstall“ Herausforderungen und Perspektiven für Schweinehaltungen im Offenstall im Kontext der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland diskutiert. Insbesondere war die praktische Umsetzung des neuen europäischen Tiergesundheitsrechts (AHL) für Schweinehaltende und Behörden eines der Tagungsschwerpunkte.

„Offenstall“ ist ein kostenlose, frei zugängliches Onlinetool zur Risikobewertung eines Eintrags von ASP in schweinehaltende Betriebe in Offenstallhaltung. Hessens Agrarstaatssekretär Michael Ruhl würdigte das neue Instrument: „Für mich ist diese Ampel gelebter Tierschutz.“ Die hessische Landesregierung habe es sich zum Ziel gemacht, Innovationen in der Landwirtschaft zu fördern. „Das gilt vor allem für solche Verbesserungen, die Mensch und Tier dienen. Deshalb freue ich mich, dass die aus dem Ökoaktionsplan finanzierte Afrikanische Schweinepest-Ampel für Offenstallhaltungen nun an den Start geht.“

Sichere Perspektive für tiergerechte Haltungsformen

Dr. Madeleine Martin, hessische Landestierschutzbeauftragte, sowie Dr. Barbara Grabkowsky, Leiterin des an der Universität Vechta angesiedelten Verbunds trafo:agrar, führten in die fachliche Thematik ein. „Für die Zukunft nicht nur der hessischen Schweinehaltung brauchen wir auch in Zeiten der ASP eine sichere Perspektive für tiergerechte Haltungsformen. Das bereits bewährte Konzept der Risikoampeln ist aus unserer Sicht der richtige Weg, um aktuelles Wissen in die Praxis zu bringen“, sagte Dr. Martin. Unterstrichen wurde dies von Dr. Barbara Grabkowsky, die die Bedeutung des partizipativen Verfahrens bei der Entwicklung der Ampel herausstellte. „Akzeptanz für die notwendige Transformation in der Tierhaltung erreichen wir nur durch Einbeziehung aller relevanten Beteiligten auf Augenhöhe.“

Im Fachprogramm bot Prof. Dr. Carola Sauter-Louis (FLI) einen Überblick und Ausblick zur ASP in Deutschland und Europa, gefolgt von einer positiven Bewertung der bisherigen Anstrengungen schweinehaltender Betriebe für mehr Biosicherheit. „Die Afrikanische Schweinepest ist nun schon seit über drei Jahren in Deutschland, vor allen Dingen bei Wildschweinen. Wir hatten bisher nur acht Ausbrüche bei Hausschweinen zu verzeichnen. Dies ist höchstwahrscheinlich der sehr guten Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen zu verdanken. Doch diese acht Ausbrüche zeigen auch, dass die Gefahr ständig existiert und wir nicht nachlassen können, die Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und zu optimieren“, lautete ihr Fazit.

Mehr Verantwortung für die Tierhalter

Die neu vom BMEL herausgegeben „Leitlinien zur Auslauf- und Freilandhaltung“ einschließlich der rechtlichen Herausforderungen für Schweinehalter vor dem Hintergrund des neuen EU-Tiergesundheitsrechts stellte Dr. Barbara Hoffmann (BMEL) vor. „Die Neuerungen im Tiergesundheitsrecht bedeuten ein Mehr an Verantwortung für Schweinehaltende. Wichtig ist, dass diese nicht von diesen alleine, sondern gemeinsam mit den weiteren Akteurinnen und Akteuren im Sinne einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit getragen werden sollte. Sei es mit den betreuenden Fachleuten oder auch mit den Veterinärbehörden. Das Thema Biosicherheit/Schutz vor biologischen Gefahren steht hier sicherlich bei der Prävention der ASP an erster Stelle.“

Abgerundet wurde der Überblick von den Ergebnissen zur Untersuchung der Biosicherheit von 16 hessischen Auslaufbetrieben hinsichtlich der ASP-Prävention, die Dr. Sabrina Becker von der Justus-Liebig-Universität Gießen vorstellte. „Niemand weiß ob und wann die Afrikanische Schweinepest auch Hessen erreichen wird“, so die Wissenschaftlerin. Es zeigte sich, dass die Betriebe im Wesentlichen gut vorbereitet sind. Jedoch können Nachbesserungen der Einfriedung, die Aufklärung von Besuchern sowie einige Details in der Umsetzung einer konsequenten Schwarz-Weiß- und Hygiene-Strategie weiter mithelfen, die Biosicherheit zu optimieren, um den Eintrag der Seuche zu verhindern.

Schweiz erfahren in der Offenstallhaltung

Im fachlich-praktischen Teil der Tagung gab Dr. Stefanie Klausmann (Suisag SGD, Sempach) einen fundierten Einblick in die Biosicherheitsmaßnahmen von Schweizer Schweinehaltungsbetrieben. Diese verfügen bereits seit vielen Jahren flächendeckend über Erfahrungen mit der Offenstallhaltung. Eindringlich warnte sie vor den Gefahren der ASP. „Seit 2017 haben in Europa mehr als 2,3 Mio. Schweine aufgrund ASP ihr Leben verloren (Quelle: WAHIS-Daten, WOAH). Durch gute Biosicherheitsmassnahmen können wir zumindest die Keulung unserer Hausschweine verhindern. Aus diesem Grund sollten wir die «Friedenszeiten» nutzen und unseren Fokus auf eine gute Biosicherheit richten. Packen wir es an!“, so der Appell der Expertin.

Die ASP-Risikoampel stellten Dr. Maria Gellermann (trafo:agrar) und Dr. Jens van Bebber (Verein zur Förderung der Offenstallhaltung) vor. „Nur durch die engagierte Unterstützung zahlreicher Experten konnten in dieser Risikoampel nicht nur neue Inhalte, sondern auch neue Funktionen, wie zum Beispiel Filterfunktion des Fragebogens implementiert werden“, so Dr. Gellermann. „In kontinuierlicher Weiterentwicklung des Konzepts Risikoampel erwarten wir einen hohen Mehrwert für die Praxis, das war unser Ziel.“

Kampf gegen ASP endet nicht bei der Prävention

Dr. Jens van Bebber präzisierte in seiner Präsentation diese Anforderungen der Praxis anhand des eigenen Offenstallbetriebs in der Grafschaft Bentheim. Zudem wies er auf die Notwendigkeit hin, Bemühungen im Umgang mit der ASP nicht bei der Prävention auf den Höfen enden zu lassen. Ebenso wichtig sei die Entwicklung von differenzierten Lösungen für die Vermarktung von Tieren aus einer Sperrzone heraus.

Die Tagung endete mit einer angeregten Diskussion, u.a. mit Fragen zur praktischen Umsetzung des neuen Tiergesundheitsrechts, zu konkreten Maßnahmen für Offenstallhaltungen in ASP-Sperrzonen sowie zur gegenwärtigen Situation und zukunftsfesten Perspektiven für diese tiergerechte und gesellschaftlich erwünschte Haltungsform.

Das Bild oben zeigt die Referenten der Fachtagung.

Christian Blümel / Fleischnet

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