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Fleisch-Marketing_11_2016

Unternehmen & Konzepte Vegane Aspekte Die Entscheidung für eine vegane Ernährung will gut überlegt sein, war ein Fazit einer Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung an der Universität Hohenheim. Denn anders als viele Verbraucher glaubten, sei eine vegane Ernährung nicht automatisch gesünder, erklärte Professor Peter Grimm, Geschäftsführer der DGE-Sektion Baden-Württemberg. Eine wachsende Zahl an Produkten macht es heute möglich, auf tierische Lebensmittel zu verzichten. „Vegane Ernährung treibt derzeit Innovationen auf dem Lebensmittelmarkt an“, meinte sogar Professor Grimm und begründete damit, warum der 23. Ernährungsfachtag in Stuttgart eine Vielzahl von Aspekten zum Thema Veganismus beleuchtete. So beschäftigte sich die Münsteraner Professorin Carola Strassner mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Sie kommt zu dem Schluss, dass ein Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung durch eine verstärkt vegane Ernährung geleistet werden könne eine vegane Ernährung jedoch nicht befolgt werden müsse. Der Frage, wer sich vegan ernährt, ging Professor Jana Rückert-John, Hochschule Fulda, nach. Auffallend sei, dass der typische Veganer überdurchschnittlich gut über Ernährungsfragen informiert ist, sagte sie. Weiter soziokulturelle Merkmale des typischen Veganers: Er ist jung und weiblich, verfügt über eine relativ hohe Bildung und lebt in der Großstadt. Elvira Schwörer stellte eine aktuelle – allerdings nicht repräsentative – Online-Befragung der Verbraucherzentralen vor. 400 Interessierte nahmen an der Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung teil, die auf dem Gelände der Universität Hohenheim stattfand. Knapp 6000 Konsumenten – davon 25 Prozent Vegetarier und 49 Prozent Veganer – gaben Auskunft über vegetarische und vegane Ersatzprodukte. Die wesentlichen Kaufmotive für diese Produkte waren – die nicht klar voneinander abzugrenzenden – „Tierschutz“ (42 Prozent) und „ethische Gründe“ (28 Prozent) sowie die Gesundheit (11 Prozent). Während Veganer und Vegetarier den Tierschutz (44 beziehungsweise 51 Prozent) und ethische Gründe (36 beziehungsweise 27 Prozent) am wichtigsten fanden, spielte für Flexitarier und Mischköstler der gesundheitliche Aspekt eine bedeutende Rolle (21 beziehungsweise 28 Prozent). Interessant war auch, dass nur 9 Prozent der Befragten sich beim Kauf von Ersatzprodukten auf Siegel verlassen. Die Mehrheit (67 Prozent) zieht die Zutatenliste zu Rate, während sich 24 Prozent an den Angaben „vegetarisch“ oder „vegan“ orientieren. Im Mittelpunkt der Tagung stand allerdings der gesundheitliche Aspekt. Wer einfach tierische durch pflanzliche Produkte ersetze, riskiere Mangelerscheinungen, waren sich die Referenten einig. Ein gesundheitliches Risiko sah der Ernährungswissenschaftler Professor Grimm bei der Nährstoffzufuhr. „Pflanzliche Ersatzprodukte für Fleisch und Milch liefern manche Nährstoffe einfach nicht, zum Beispiel Vitamin B12“, sagte er. Dr. Markus Keller betonte: „Mit Ausnahme von Vitamin B12 kann die Zufuhr der kritischen Nährstoffe bei veganer Ernährung durch eine vollwertige und abwechslungsreiche Lebensmittelauswahl gedeckt werden.“ Da Vitamin B12 in pflanzlichen Lebensmitteln praktisch nicht vorkomme, müsse eine ausreichende Versorgung sichergestellt werden – beispielsweise über Nahrungsergänzungsmittel, forderte der Wissenschaftler. Kritisch sieht die Deutschen Gesellschaft für Ernährung den Nährstoffmangel für einige Bevölkerungsgruppen. „Für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche kann man eine vegane Ernährung nicht empfehlen, da diese Gruppen mehr Nährstoffe brauchen“, so die Stellungnahme der DGE. Abgelehnt wird auch eine rein vegane Verpflegung an Kitas und Schulen, weil Kinder und Jugendliche, die sich im Wachstum befinden, sehr empfindlich auf Nährstoffmangel reagierten. 42 11/2016 F leisch-Marketing


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