Good Food Institue Kultiviertes Fleisch

Kommt Fleisch bald aus dem Fermenter?

Vier preisgekrönte Projekte

Das Good Food Institute Europe (GFI Europe) und die EU-finanzierte Innovationsagentur EIT Food haben Ende Oktober die Gewinner der „Cultivated Meat Innovation Challenge” bekannt gegeben. Ziel des Innovationswettbewerbs ist es, den Prozess der Zellkultivierung so zu verbessern, dass die Produktionskosten weiter gesenkt werden können.

Aus 25 Projektvorschlägen aus 14 Ländern wurden nun vier Gewinner ausgewählt. Die Projekte aus Deutschland, Großbritannien, Portugal und Israel erhalten jeweils 100.000 Euro, um ihre Idee innerhalb der kommenden drei Jahre zu realisieren.

Zellen werden in Fermentern vermehrt

Bei kultiviertem Fleisch handelt es sich grundsätzlich um dasselbe Fleisch, das wir heute essen. Es wird jedoch nicht durch das Schlachten von Tieren hergestellt, sondern durch das Vermehren von Zellen in Fermentern, wie sie auch zum Bierbrauen verwendet werden. Hierfür wird einem lebenden Tier eine harmlose Gewebeprobe entnommen, aus der dann Zellen gewonnen werden. Die Zellen werden in eine Nährlösung gegeben, welche die Nährstoffe enthält, die Zellen für ihr Wachstum benötigen.

Auf molekularer Ebene ist kultiviertes Fleisch identisch mit Fleisch aus der Tierhaltung – es schmeckt genauso und lässt sich auch so zubereiten, benötigt aber nur einen Bruchteil der Ressourcen: So zeigen Studien, dass die Herstellung von kultiviertem Fleisch bis zu 92 % weniger Treibhausgasemissionen verursacht, bis zu 95 % weniger Land benötigt und bis zu 78 % weniger Wasser verbraucht.

57 % der Deutschen pro kultiviertes Fleisch

Jüngste Studien zeigen, dass 57 % der Menschen in Deutschland kultiviertes Fleisch kaufen würden. Bei den Menschen unter 25 Jahren sind es sogar 82 %. Eine der größten Herausforderungen, um dieses Potenzial zu heben, stellen aber die derzeit sehr hohen Produktionskosten dar. Insbesondere für Nährmedien, die den Zellen als Energiequelle für ihr Wachstum in den Fermentern dienen.

Das Nährmedium ist eine nährstoffreiche Flüssigkeit, in der die Zellen wachsen. Ein wichtiger Bestandteil dieses Nährmediums sind Wachstumsfaktoren. Gegenwärtig sind die Wachstumsfaktoren und somit das Nährmedium als Ganzes ein großer Kostentreiber bei der Herstellung von kultiviertem Fleisch. Um dieses Problem anzugehen, haben GFI Europe und EIT Food im Juni 2022 Unternehmen und Forschungsinstitute dazu aufgerufen, förderfähige Ideen im Rahmen der gemeinsamen Cultivated Meat Innovation Challenge einzureichen. Eine Jury aus Expert:innen hat die eingereichten Projekte nun bewertet und vier Gewinner auserkoren.

Unter den Gewinnern der Innovation Challenge ist das 2016 in Düsseldorf gegründete deutsche Pharmaunternehmen LenioBio. Das Unternehmen, welches ursprünglich gegründet wurde, um eine schnellere Lösung zur Herstellung von Ebola-Medizin zu finden, nutzt seine Technologie ALiCE®, um nachhaltig und günstig Wachstumsfaktoren für Nährmedien herzustellen.

Pflanzenzellen beschleunigen Wachstum von kultiviertem Fleisch

Für die Herstellung nimmt LenioBio schnell wachsende Pflanzenzellen und entfernt alle unnötigen Bestandteile. Übrig bleibt der für die Proteinproduktion zuständige Teil der Zelle. Dieser bringt bereits nach 24 bis 48 Stunden die gewünschte Beschleunigung des Zellwachstums. LenioBio bietet mit seiner Methode eine rein pflanzliche und gentechnikfreie Quelle für Wachstumsfaktoren.

Jasper Levink, Chief Business Officer bei LenioBio: „Wir freuen uns sehr über die Förderung unseres Projekts, das gibt uns mehr Spielraum für unsere Forschung. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, die Herstellung von kultiviertem Fleisch günstiger zu machen, so dass diese nachhaltige Form der Fleischherstellung eine Option für den Massenmarkt wird“.

Drei weitere Projekte werden ebenfalls gefördert:

• Das britische Start-up 3D Bio-Tissues, eine Ausgründung der Universität Newcastle, stellt eigentlich menschliche Hornhaut für Augentransplantationen her. Es überträgt nun seine Technologie auf die Herstellung von Nährmedien für die Fleischherstellung. Dabei arbeitet es mit der Nichtregierungsorganisation New Harvest zusammen.

• Die portugiesische Forschungseinrichtung S2AQUAcoLABOb untersucht, ob Mikroalgen die erforderlichen Stoffe für die Kultivierung von Seafood liefern können. Mikroalgen wachsen in großen Tanks und verfügen insofern über ideale Rahmenbedingungen, um den potenziellen Wachstumsfaktor besonders effizient herzustellen.

• Das israelische Unternehmen BioBetter gewinnt Wachstumsfaktoren aus Tabakpflanzen, mit denen sich das Zellwachstum fördern lässt. Eine Methode, die bereits bei der Herstellung von Impfstoffen und anderen Arzneimitteln zum Einsatz kommt. Tabakpflanzen werden unter freiem Himmel angebaut und können bis zu viermal im Jahr geerntet werden.

Seren Kell, Science and Technology Managerin beim Good Food Institute Europe: „Die Senkung der Produktionskosten ist eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zur Marktreife von kultivierten Fleisch. Die Projekte aus der Innovation Challenge werden dabei helfen, die Kosten der Produktion weiter zu reduzieren und kultiviertes Fleisch für alle Menschen erschwinglich zu machen. Indem wir stärker auf nachhaltige Optionen wie kultiviertes Fleisch setzen, können wir die Treibhausgasemissionen unserer Lebensmittelversorgung deutlich verringern.”

Das ist das Good Food Institute Europe

Das Good Food Institute Europe ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die alternative Proteinquellen vorantreibt, um das globale Ernährungssystem nachhaltiger, sicherer und gerechter zu machen. Das Good Food Institute arbeitet mit Wissenschaft, Unternehmen und Politik daran, pflanzenbasierte und kultivierte Fleisch-, Fisch-, Eier-, Milchprodukte zu fördern. Diese sollen schmackhaft, günstig und überall in Europa erhältlich sein. Die Arbeit des Good Food Institute wird vollständig aus Spenden finanziert.

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