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FT_02_2016

Landwirtschaft und Forsten (StMELF) gefördert wurde. Das Projekt hatte nicht nur zum Ziel, die Energieverluste für die Lebensmittelverluste in Bayern zu bilan-zieren, sondern auch Ansatzpunkte zu erkennen, die ein hohes Einsparpoten-zial für Verluste aufweisen. Ergebnisse und potenzielle Ansätze wurden beim KErn-Wissenschaftsseminar im Februar in München präsentiert. Das größte Einsparpotenzial durch Le-bensmittelabfälle liegt mit rund 6.189 t pro Jahr in den bayerischen Privathaus-halten, erläuterte Dipl.-Ing. Dominik Leverenz von der Universität Stuttgart. An zweiter Stelle rangiere die Außer- Haus-Verpflegung mit 3.935 t pro Jahr, danach folgt die Lebensmittelverar- beitung mit 2.118 t pro Jahr. Bei Land-wirtschaft (952 t pro Jahr) und Lebens-mittelhandel (668 t pro Jahr) seien die Energiesparpotenziale vergleichsweise gering. Energierucksack am Buffet Der größte Energieeintrag je Kilogramm Lebensmittel – also eine Art Energieruck-sack, der sich im Laufe der Wertschöp-fungsstufen weiter anfüllt – sei in der Au-ßer- Haus-Verpflegung anzutreffen. „Das liegt daran, dass in Kantinen, Betriebs-restaurants viele Speisen erst nach dem Kochvorgang entsorgt werden. Büfett-reste verzeichnen besonders große Ener-gierucksäcke, da diese in der Regel noch zusätzlich warm gehalten werden. Hinzu kommt ein oftmals hoher Fleischanteil im Angebot oder in den entsorgten Lebens-mittelmengen“, stellte Dipl.-Ing. Gerold Hafner von der Universität Stuttgart fest, der die Daten erhoben hat. „Lebensmittelverschwendung ist auch Energieverschwendung, und zwar im gro-ßen Stil“, betonte Bayerns Agrarminister Helmut Brunner und forderte ein Umden-ken gegenüber dem Gut Lebensmittel. Die Studie biete viele Informationen, um ein Bewusstsein für das Umdenken und damit einhergehende Verbesserungen zu schaffen. Das größte Sparpotenzial liege zwar in den privaten Haushalten, weil dort die meisten Lebensmittel weggewor-fen würden. Am schnellsten seien aber Fortschritte bei der Außer-Haus-Verpflegung zu er-zielen, weil der Energieeinsatz pro Ton-ne am größten sei. Der Minister kündigte deshalb an, das bereits eingeführte Mo-nitoring- System, das Lebensmittelverlus-te in Kantinen minimieren soll, landes-weit anzubieten. Verbesserungen erhoffe er sich zudem vom Bündnis „Wir retten Lebensmittel“, das er ins Leben gerufen hat. Auch Dr. Gerd Leipold, der acht Jah-re Dr. Gerd Leipold, Dipl.-Ing. Dominik Leverenz und Dr. Malte Rubach (von li.) gaben Impulse. die Umweltorganisation Greenpeace leitete, betonte: „Bewusstsein allein führt nicht direkt zu anderem Handeln. Wir brauchen Akteure, die nicht nur Lippen-bekenntnisse liefern. Erkenntnis alleine reicht noch nicht!“ Positives Beispiel von Migros Und wie kann man nun Verschwendung wirklich vermeiden? Die Europäische Kommission fordert die EU-Mitglieds-staaten dazu auf, die Entsorgung von noch genießbaren Lebensmitteln bis zum Jahr 2020 zu halbieren und Anreize für Veränderungen bei der Erzeugung und beim Verbrauch zu schaffen. Dr. Malte Rubach hält die Erreichung dieses Ziels noch für fraglich. Der Refe-rent des StMELF hat in seiner Zeit beim KErn die Studie zur „Identifizierung von Energiesparpotenzialen durch Ver-meidung von Lebensmittelverschwen-dung“ entwickelt und koordiniert. Zuvor leitete er die Erhebung von Verlusten in Bayern. „Dass das Ziel in 2020 er-reicht wird, halte ich für fraglich, denn es liegen kaum Konzepte vor. Die EU muss Grundlagen liefern“, fordert er. Ein positives Beispiel aus der Praxis sei das Schweizer Unternehmen Migros. „Es ist seit der Gründung bestrebt, alle Stufen der Wertschöpfungskette in einem Unter-nehmen zu haben, also von der Erzeugung bis zum Handel, und wendet sich mit Bil-dungsangeboten an Konsumenten. Aber bemerkenswert neutral und Sinn des Ganzen ist von Anfang an eine möglichst ökologische und nachhaltige Erzeugung.“ Von den jährlich rund 238.000 t Betriebs-abfällen und Kundenretouren der Migros Genossenschaften und Industrieunter-nehmen werden 75 % wiederverwertet, heißt es auf der Homepage des Unter-nehmens. Griffige Maßnahmen sind etwa GmbH ein umfassendes Rücknahmesystem und ökologisch optimierte Verpackungen. Waren, deren Haltbarkeit in Kürze ablau-fen, werden vergünstigt abgegeben. Un-verkäufliche Lebensmittel gehen gratis an karitative Einrichtungen wie Tischlein deck dich. Im Jahr 2014 fanden in allen Genossenschaften Mitarbeiterschulun-gen zum Thema Lebensmittelabfälle statt. nad Maschinen und Produkte für die Fleischwarenindustrie 2/2016 11 Fotos: Diab


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