Ferkelkastration

Naturland: Appell wegen Ferkelkastration

Datum: 30.11.2018Quelle: Naturland | Colourbox.de_Artem Merzlenko | | Ort: Gräfelfing

Öko-Verband fordert flächendeckenden Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration in den kommenden zwei Jahren.

„Die vom Bundestag verlängerte Frist bis zum endgültigen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration darf keinesfalls wieder ungenutzt verstreichen.“ Diesen Appell richten die Delegierten des Öko-Verbands Naturland an die Bundesregierung. „Wir brauchen jetzt dringend eine massive Kampagne zur Unterstützung der Ferkelerzeuger und Schweinemäster aller Haltungssysteme bei der Umstellung“, kommentierte Naturland-Präsident Hubert Heigl die Entscheidung des Bundestags nach der zweitägigen Naturland-Delegiertenversammlung in Gräfelfing.

Den Ausstieg aktiv voranbringen

Naturland hat in den vergangenen Jahren verschiedene Alternativmethoden getestet, um seinen Betrieben rechtzeitig verschiedene Optionen anbieten zu können. Die nun dennoch beschlossene Verlängerung der Ausstiegsfrist um zwei Jahre müsse genutzt werden. Vor allem, um den Ausstieg im gesamten Markt aktiv voranzubringen, fordern die Naturland-Delegierten. Dabei gehe es darum, insbesondere bei den Schlachthöfen und im Handel Akzeptanz für alle zur Verfügung stehenden Alternativen zu gewinnen. Zudem sollten noch bestehende praktische Probleme einzelner Methoden gelöst werden.

„Die Tatsache, dass nach Jahren des Stillstands die Zulassung von Isofluran nun plötzlich quasi über Nacht möglich war, zeigt, dass es bislang schlicht am politischen Willen gefehlt hat“, sagte Hubert Heigl weiter. „Es ist gut, dass dieser politische Wille nun endlich da zu sein scheint. Die Bundesregierung muss dann aber auch Geld in die Hand nehmen für weitere Forschung und Entwicklung, für Aufklärung sowie für die konkrete Unterstützung von Betrieben bei der Umstellung“, forderte der Naturland-Präsident.

Naturland empfiehlt Impfung als tiergerechteste Lösung

Naturland empfiehlt seinen Betrieben bereits seit 2016 die Impfung gegen Ebergeruch als tiergerechteste Alternative, die neben den Tierschutzverbänden auch vom staatlichen Friedrich-Löffler-Institut klar favorisiert wird. „Unsere Erfahrungen zeigen klar, dass dies eine Alternative ist, die funktioniert und die der Verbraucher auch akzeptiert. Und als Ferkelerzeuger bin ich froh, dass ich nicht mehr kastrieren muss, sondern unversehrte Tiere aufziehen kann“, betonte Hubert Heigl.

Neben der Impfung akzeptiert Naturland aber auch andere Alternativen. Beispielsweise  die Ebermast oder die Betäubung mit Isofluran, mit der viele Naturland-Betriebe bereits erfolgreich arbeiten. Allerdings müsse bei dieser Methode der Anwenderschutz dringend verbessert werden. Außerdem müsse es genügend Tierärzte mit mobilen Narkosegeräten geben. Damit könnten auch kleine Betriebe, die sich kein eigenes Gerät leisten können, die Methode anwenden.

Vierter Weg „ist kein Weg“

Insgesamt plädiert Naturland dafür, den Betrieben möglichst viele praxistaugliche Alternativen zur Verfügung zu stellen. „Jeder Betrieb ist anders. Was beim einen gut funktioniert, kann den nächsten vor Probleme stellen“, betonte der Vorsitzende des Öko-Verbands. Skeptisch zeigte er sich jedoch mit Blick auf den sogenannten vierten Weg einer Lokalanästhesie im Hodensack: „Mit den im Moment zur Verfügung stehenden Mitteln ist das kein Weg.“

Christian Blümel / Fleischnet

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