EU-einheitliche Kennzeichnung

Kennzeichnung bald EU-weit einheitlich?

Datum: Quelle: Europäischer Ausschuss der Regionen | Foto: Colourbox.de | Ort: Brüssel

Wird das der entscheidende Schlag gegen den grassierenden Wildwuchs bei Siegeln und Labels? EU-Politiker fordern ein verbindliches europäisches System für die Kennzeichnung von Lebensmitteln.

Wieviel Fleisch ist in der Wurst? Wissen wir überhaupt, was wir essen? Fragen wie diese und der Wunsch, bereits in einem frühen Alter gute Essgewohnheiten zu vermitteln, werden längst auch auf EU-Ebene diskutiert. Sie waren der Auslöser für den Europäischen Ausschuss der Regionen (AdR), am 4. Juli 2018 die Einrichtung eines verbindlichen Systems zur farblichen Kennzeichnung zu fordern. Auslöser ist die Besorgnis darüber, dass es an zuverlässigen Informationen für Verbraucher und Schüler mangelt. Das hat die EU-Versammlung der Kommunal- und Regionalpolitiker dazu veranlasst, einschlägige Empfehlungen vorzulegen.

Dieser Vorschlag ist einer von zahlreichen Empfehlungen aus der Stellungnahme „Lokale und regionale Anreize zur Förderung einer gesunden und nachhaltigen Ernährung“. Der AdR schlägt außerdem vor, Änderungen in der Raumplanung und Infrastruktur sowie den Einsatz von Instrumenten wie Steuern, Beihilfen und Gesetzen in Betracht zu ziehen.

Süßigkeiten, Junkfood, Zucker…

Der Berichterstatter für diese Stellungnahme, Nikolaos Chiotakis (EL/EVP), Mitglied des Stadtrats der nordgriechischen Stadt Kifisia, meinte: „Die grundlegenden gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen bilden sich in der Kindheit und Jugend heraus. Sie werden ein Leben lang beibehalten. Süßigkeiten, Junkfood und zuckerhaltige Getränke haben traditionelle Lebensmittel auf der Grundlage von Obst und Gemüse, Fisch und Olivenöl verdrängt. Unsere Kinder nehmen mit ihrer Nahrung zuviel Salz, Zucker und Fett auf.“ Besonders wichtig sind nach Ansicht des AdR schulische Bildungsprogramme zur Förderung einer gesunden und aktiven Lebensweise. Im Mittelpunkt dabei: Kindergärten und Grundschulen.

Sollte die Empfehlung des AdR von den Entscheidungsträgern im Europäischen Rat und im Europäischen Parlament befürwortet werden, wären Lebensmittelhersteller in der ganzen EU gezwungen, den Verbrauchern durch eine farbliche Kennzeichnung der Lebensmittelverpackungen klare Informationen über den Zucker-, Salz- und Fettgehalt des Produkts zu geben. Die Nährwertkennzeichnung wäre auch online verfügbar.

Kennzeichnung: Radikal andere Lage

Eine verbindliche Kennzeichnung würde die Lage radikal ändern. Denn bislang entscheiden viele Lebensmittelhersteller selbst darüber, ob ihre Produkte gesund genug für Kinder sind. Derartige Behauptungen müssten dann europaweit geltende Anforderungen erfüllen. Gesunde Alternativen, die gefördert werden sollten, so heißt es in der Stellungnahme, sind unter anderem Obst und Gemüse, Milchprodukte mit geringem Fettanteil und Vollkornprodukte. Entscheidend sei es, nachhaltige Auswahlmöglichkeiten zu bieten.

Das Kennzeichnungssystem und vergleichbare Konzepte kämen allen Altersgruppen und allen Schichten der Gesellschaft zugute. Sie spiegeln auch die Forderung wider, auf breiter Front mehr für die Gesundheit zu tun und Krankheiten vorzubeugen. Eine ungesunde Ernährung ist, so Nikolaos Chiotakis, einer der vier wichtigsten potenziellen Auslöser für nicht übertragbare chronische Krankheiten. Die anderen drei sind Tabakkonsum, Bewegungsmangel und Alkoholmissbrauch.

Mit gutem Beispiel voran

In der Stellungnahme wird nicht nur darauf hingewiesen, wie die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften gesunde Essgewohnheiten fördern können. Sie zeigt auch, dass die Kommunen mit Hilfe der öffentlichen Auftragsvergabe mit gutem Beispiel vorangehen können. Krankenhäuser, Pflegeheime, Altenheime, Justizvollzugsanstalten sowie Kindergärten und Schulen könnten als Vorbilder fungieren. Möglich wäre dies über den Verkauf und die Bereitstellung von gesunden, lokalen, saisonalen Erzeugnissen, die Nachhaltigkeit gewährleisten.

Christian Blümel

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