Landsberger Wurstspezialitaeten

Tönnies-Wurstfabrik im Visier von foodwatch

Datum: 20.09.2018Quelle: Landsberger Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG | foodwatch | Foto: Landratsamt Landsberg am Lech | Ort: Landsberg/Berlin

Skandal-Vorwürfe von foodwatch: In einer bayerischen Wurstfabrik des größten deutschen Fleischkonzerns Tönnies sollen über Monate hinweg ekelerregende Zustände geherrscht haben.

Skandal oder viel Rauch um (fast) garnichts? Die Berliner Verbraucherorganisation foodwatch berichtet auf ihrer Online-Seite über „ekelerregende Zustände“ in der Landsberger Wurstspezialitäten GmbH. Die Wurstfabrik des größten deutschen Fleischkonzerns Tönnies wies die Vorwürfe in einer Pressemitteilung als „eindeutig falsch“ zurück.

Schmutzpartikel in der Weißwurstlake, verdreckte Maschinen (Bild o.), Pfützen mit stinkendem Wasser – das ist laut foodwatch die Essenz geheimer amtlicher Kontrollberichte, die von der Verbraucherorganisation jüngst veröffentlicht wurden. Demnach beanstandeten Lebensmittelkontrolleure bei der Landsberger Wurstspezialitäten GmbH in Oberbayern bei insgesamt 41 Überprüfungen immer wieder Verstöße gegen Hygienevorschriften. Zeitraum: zwischen Oktober 2017 und Februar 2018. In den Kontrollberichten sei zudem mehrfach von Darmbakterien an Maschinen die Rede. Tönnies hatte die Fabrik 2017 aus der Insolvenzmasse der ehemaligen Lutz Fleischwaren GmbH übernommen.

Schwere Vorwürfe gegen die bayerische Staatsregierung

Für foodwatch besonders skandalös: „Obwohl die zuständige Kontrollbehörde Bescheid wusste, informierte sie die Verbraucher nicht über die Hygienemängel.“ Die bayerische Landesregierung habe bei der Lebensmittelüberwachung „mal wieder versagt“. Die Verbraucherschützer untermauern die Vorwürfe auf ihrer Website mit Ekel-Bildern des Landratsamtes Landsberg aus der Wurstfabrik (im Bild o. eine verdreckte Maschine). Das Unternehmen widerspricht in einer Stellungnahme dieser Darstellung und geht seinerseits in die Offensive.

„Dieser Vorwurf ist eindeutig falsch. Jeder, der den Betrieb in Landsberg kennt, weiß das. foodwatch liegen auch entsprechende Erklärungen der zuständigen Behörden vor Ort vor, dass diese Einschätzung nicht zutrifft. Aber um öffentliches Aufsehen zu erregen, werden diese Falschbehauptungen trotzdem erhoben. Das ist ungeheuerlich“, sagt Tönnies-Pressesprecher Dr. André Vielstädte.

Tönnies:In der Regel lediglich geringfügige Verstöße“

Die zuständige Behörde habe foodwatch bestätigt, dass es sich bei den beschriebenen Mängeln „aus Sicht der Überwachungsbehörde nicht um gravierende, sondern in der Regel lediglich um geringfügige Verstöße“ gehandelt habe „und diese unmittelbar durch den Betrieb abgestellt wurden“. Dennoch erwecke Foodwatch den Eindruck einer mangelnden Sorgfalt. foodwatch habe sich dazu entschieden, „statt Aufklärung in der Sache eine Skandalisierung durch Pressearbeit zu beginnen“, erklärte der Tönnies-Pressesprecher weiter.

Für Johannes Heeg, Campaigner bei foodwatch liegt der Fall ganz anders: „Der Fall Landsberger zeigt: Wenn die Ergebnisse von Hygienekontrollen nicht veröffentlicht werden müssen, haben Ekelbetriebe nichts zu befürchten. Nur Transparenz über die Kontrollen schafft Abschreckung.“ Aus vergangenen Hygiene-Skandalen wie Müller-Brot habe der bayerische Ministerpräsident Markus Söder „offenbar nichts gelernt“.

Bayerns Ministerpräsident ein „Schutzpatron der Schmuddelbetriebe“?

„Markus Söders Blockadehaltung gegen ein Transparenzsystem ist mitverantwortlich dafür, dass Hygieneskandale in Bayern immer wieder vorkommen. Er predigt Recht und Ordnung, drückt aber bei Verstößen gegen Hygienevorgaben beide Augen zu. Der bayerische Ministerpräsident darf nicht länger als Schutzpatron der Schmuddelbetriebe agieren, sondern muss sich für die Veröffentlichung aller Kontrollergebnisse stark machen“, fordert der Campaigner. Es sei dringend notwendig, ein System einzuführen, dass Transparenz und Kontrolle gewährleistet.

Für foodwatch außerdem pikant: Die Kontrolle der Landsberger Wurstspezialitäten sollte eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der neu errichteten Bayerischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) fallen. Diese ist seit Januar 2018 für rund 600 Lebensmittelbetriebe in Bayern zuständig, die zuvor der Kontrolle der Landratsämter unterlagen. Die Landsberger Wurstspezialitäten hätten jedoch gegen den von der KBLV erlassenen Zuständigkeitsbescheid Klage erhoben. Sie würden deshalb weiterhin vom Landratsamt Landsberg kontrolliert.

Dürfen sich die Unternehmen ihre Kontrolleure selbst aussuchen?

Dazu Johannes Heeg: „Das setzt dem Ekel-Skandal die Krone auf: Erst redet das zuständige Landratsamt die Hygieneprobleme klein. Und dann verhindert das betroffene Unternehmen, dass eine andere, womöglich strengere Behörde die Kontrollen übernimmt. Will sich hier ein Schmuddelbetrieb seine Kontrolleure selbst aussuchen?“

Christian Blümel / Fleischnet

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