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Corona bei Tönnies: Immer mehr Fälle

Datum: 18.06.2020Quelle: Kreis Gütersloh | Tönnies Unternehmensgruppe Ort: Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh

Weit über 600 Mitarbeiter von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück Coronoa-positiv, Landratsamt rechnet mit weiteren positiven Befunden.

Bei den Coronatests des Kreises Gütersloh in der Zerlegung von Tönnies sind vier von fünf Abstrichen positiv gewesen. Krisenstabsleiter Thomas Kuhlbusch vom Kreis Gütersloh hat daher am Mittwochmorgen umgehend den Corona-Krisenstab einberufen.

1.050 Proben haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kreises Gütersloh mit Unterstützung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Malteser Hilfsdienstes (MHD) am Dienstag auf dem Gelände des Unternehmens genommen. Aktuell liegen 983 Befunde vor, davon sind 657 positiv. Im Laufe des Vormittags kamen über Abstriche unabhängig von der Testung des Kreises 20 weitere positive Proben hinzu. Mit weiteren positiven Befunden ist zu rechnen.

In der Krisenstabssitzung wurden Maßnahmen festgelegt, um die Gefahr einer Weiterverbreitung des Virus unverzüglich zu minimieren. Dies sind:

  1. Alle Infizierten und Kontaktpersonen der Kategorie 1 werden unverzüglich abgesondert beziehungsweise unter Quarantäne gestellt. Die Quarantäne und Absonderung wird vorrangig in den bisher genutzten Wohnungen und Unterkünften erfolgen. Soweit diese nicht genügen sollte, werden kurzfristig Überlaufkapazitäten geschaffen.
  2. Der Kreis Gütersloh hat der Firma Tönnies die unverzügliche Schließung des Schlachtbetriebes angeordnet. Im Übrigen wird die weitere Produktion in den betroffenen Betrieben auf dem Gelände der Unternehmensgruppe Tönnies am Standort Rheda-Wiedenbrück unverzüglich zurückgefahren.
  3. In den Schulen im Kreis Gütersloh wird ab dem 18. Juni bis zum 26. Juni, das heißt bis zum Beginn der Sommerferien, kein allgemeiner Unterricht mehr statt. In den Kindertageseinrichtungen und den Schulen wird es erweiterte Notbetreuung geben.
  4. Der Kreis Gütersloh wird kurzfristig alle noch nicht getesteten und auf dem Betriebsgelände tätigen Personen bei Tönnies unter Quarantäne stellen und testen.

Schulen müssen schließen, aber kein allgemeiner Lockdown

Einen allgemeinen Lockdown im Kreis Gütersloh wird es nicht geben. Dies haben Landrat Sven-Georg Adenauer und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gemeinsam festgelegt.

Mit dabei bei der Sitzung des Krisenstabes waren Vertreter der drei hauptsächlich betroffenen Kommunen Rheda-Wiedenbrück, Verl und Gütersloh. Für die Unternehmensgruppe Tönnies hatte unter anderem Konzernchef Clemens Tönnies an der Krisenstabssitzung teilgenommen.

Tönnies war vom Krisenstabsleiter des Kreises Gütersloh unmittelbar nach dem Bekanntwerden der ersten Ergebnisse darüber informiert, dass von den ersten 500 Befunden rund 400 positiv ausgefallen waren. Das Unternehmen hat daraufhin die Anlieferung weiterer Schweine gestoppt. Die Unternehmensführung von Tönnies hat am Mittwoch gemeinsam mit dem Kreis Gütersloh die vorübergehende Stilllegung des Standorts Rheda beschlossen.

„Die Gesundheit und der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht an erster Stelle. Daher haben wir gemeinsam mit dem Kreis Gütersloh und Landrat Sven-Georg Adenauer heute den vorübergehenden und schnellen Sofort-Stillstand unserer Schlachtung in Rheda beschlossen“, sagt Firmenchef Clemens Tönnies. Der Stopp der Schlachtung ist bereits am Mittwochmittag erfolgt. Sukzessive werden weitere Bereiche heruntergefahren. Nur so könne man die weitere Ausbreitung der Erkrankung im Betrieb minimieren. „Es geht jetzt nicht um das Unternehmen, es geht um die Menschen und um den Kreis. Wir unterstützen die Behörde in vollstem Umfang bei allen Maßnahmen“, fügt Tönnies hinzu.

Die Werkvertragsnehmer von Tönnies, die Beschäftigte in der Zerlegung einsetzen, wurden informiert und angewiesen, dass ihre Beschäftigten und alle nahen Kontaktpersonen bis auf weiteres ihre Wohnungen und Unterkünfte nicht verlassen.

Bereits in den Tagen zuvor waren durch Tests des Unternehmens und von niedergelassenen Ärzten zahlreiche Beschäftigte von Tönnies und dessen Subunternehmern positiv auf das Coronavirus getestet worden. Dies hatte den Kreis veranlasst, kurzfristig alle Personen zu testen, die am 16. Juni in der Zerlegung Schwein, in der Zerlegung Sauen, in der Kantine und als Beschäftigte des Kreises Gütersloh in der amtlichen Überwachung tätig waren.

Aus dieser Reihentestung liegen bisher rund 400 positive Laborergebnisse vor. Die Laborergebnisse betreffen vorrangig Personen, die im Kreis Gütersloh gemeldet sind. Soweit Personen in anderen Kreisen und kreisfreien Städten (wie zum Beispiel die Kreise Warendorf, Paderborn, Soest etc.) betroffen sind, werden die zuständigen Gesundheitsämter kurzfristig informiert.

Betrieb nach Corona-Massenausbruch heruntergefahren

Das Unternehmen hatte nach einem Krisengespräch, zu dem Landrat Adenauer am frühen Morgen des 16. Juni eingeladen hatte, den Personaleinsatz signifikant reduziert, damit im Betrieb größere Abstände eingehalten werden können.

Durch die hohe Zahl an Neuinfektionen hat der Kreis Gütersloh die kritische Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen deutlich überschritten. Diese Marke geht auf eine Bund-Länder-Vereinbarung zurück: Wird diese überschritten, sollen Maßnahmen in Erwägung gezogen werden, um das Ausbruchsgeschehen einzudämmen. Dies führt jedoch nicht automatisch zu einem Lock-Down.

Christian Blümel / Fleischnet

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