News vom 23.04.2008 | Rubrik: Recht | Kommentare: Bewertung:
"Die Lebensmittelwirtschaft wird ihr Engagement zur freiwilligen Naehrwertkennzeichnung verstaerkt fortsetzen und lehnt unverhaeltnismaessige Forderungen, die die bisherigen Anstrengungen der Wirtschaft ignorieren, ab. Sie lassen sowohl die Praktikabilitaet, die damit verbundene Buerokratie wie auch die Kosten und den nicht belegten Nutzen ausser Acht", sagte Dr. Theo Spettmann, Praesident des Spitzenverbandes. Mehr als zwei Drittel der Lebensmittelverpackungen tragen bereits heute eine Naehrwertkennzeichnung, mehr als 70 % geben weiterfuehrende Informationen durch Hotlines oder Internetseiten. Dies belegt eine Ende 2007 durchgefuehrte GfK-Studie, die der BLL aktuell als Broschuere veroeffentlicht hat. Die Ergebnisse zeigen, dass der Anteil bedarfsangepasster Produkte wie auch solcher mit Naehrwertkennzeichnung stark angestiegen ist. Das laesst Forderungen sowohl nach mehr "reformulierten" Lebensmitteln als auch nach verbindlicher Naehrwertkennzeichnung unbegruendet erscheinen. "Die Annahme, dass eine ausgedehnte Naehrwertkennzeichnung hilft, Uebergewicht zu vermeiden, ist falsch", so Spettmann. Massnahmen zur Gesundheitspraevention muessen ursachengerecht ansetzen und streng wissenschaftsbasiert und nicht populistisch ausgelegt sein. So sind Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus weitaus haeufiger von Adipositas, aber auch von anderen gesundheitlichen Defiziten betroffen als Kinder aus sozial privilegierten Familien. "Fast dreimal so hoch ist die Adipositasrate bei 14 bis 17-Jaehrigen aus Familien mit niedrigem im Vergleich zu einem hohen Sozialstatus, berichtete Dr. Baerbel-Maria Kurth aus der Arbeit des Robert Koch-Instituts. Sie forderte, Praeventionskonzepte zielgruppenspezifisch auf die besonders betroffenen Bevoelkerungsgruppen auszurichten.
Der positive Einfluss von Bewegung auf die Gesundheit wird deutlich unterschaetzt. "64 % der Deutschen bewegen sich zu wenig, dabei ist der Zusammenhang zwischen Fitness-Status und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wissenschaftlich belegt", stellte Prof. Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule Koeln fest.
Waehrend Gesundheitsrisiken einerseits unterschaetzt werden, wird andererseits die oeffentliche Debatte um Lebensmittelskandale emotional gefuehrt und ueberbewertet. "Mit Nichtwissen und Falschaussagen wird Angst geschuert", kritisierte Prof. Andreas Hensel, Praesident des Bundesinstituts fuer Risikobewertung (BfR). In Krisenfaellen muesse zunaechst die Wissenschaft befragt werden. "Eine sachliche Auseinandersetzung mit Risiken ist essenziell, um das Vertrauen der Verbraucher zu staerken", so der Anspruch von Hensel. Durch gezielte Kommunikation wissenschaftlichen Argumenten in der Oeffentlichkeit wieder mehr Gehoer zu verschaffen, sieht er als zentrale Aufgabe an.
Quelle: Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)