Bremen/Düsseldorf. Im Jahr 2010 waren weltweit 925 Millionen Menschen unterernährt. Das geht aus Angaben der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hervor. Beschämend sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse einer Studie, die Wissenschaftler der Jacbobs Universität in Bremen zum Thema Kühlkettenunterbrechungen im Lebensmitteltransport durchführten: Demnach landen jedes Jahr 35 Prozent aller leichtverderblichen Lebensmittel im Müll. Hauptgrund sei die mangelhafte Kommunikation und ungenügende organisatorische Verzahnung an den Schnittstellen beim Warentransport. Angesichts weltweit knapper werdender Ressourcen sei es wirksamer, solche Lebensmittelverluste zu reduzieren, als die Produktion zu erhöhen, sagt Robert von Otterdijk von der FAO in einer Presseerklärung: „Unsere Ressourcen werden knapp: Land, Wasser und Energie sind nicht beliebig vermehrbar. Daher ist es effizienter, in der gesamten Wertschöpfungskette Verluste zu begrenzen, als mehr zu produzieren".
Kritisch wird es besonders an den Schnittstellen der Transportkette
Um zu untersuchen, wie und wo die Produkte genau geschädigt werden, wertete die Jacobs Universität über 100 Literaturquellen aus. „Kritisch wird es immer an den Schnittstellen innerhalb der Transportkette", sagt die Wissenschaftlerin Verena Brenner, „wenn etwa auf dem Weg von der Ernte zum Supermarkt das Transportfahrzeug gewechselt werden muss". Beim Umladen, so Brenner, sei das Produkt oft schädlichen Temperaturschwankungen ausgesetzt, da an vielen Umschlagplätzen die Kapazität an Klimavorrichtungen nicht ausreiche, um alle Waren vor Hitze oder frostigen Temperaturen zu schützen. Verschärft werde das Problem auch dadurch, dass „vielen Akteuren der Transportkette überhaupt nicht bewusst ist, wie nachteilig sich bereits geringe Temperaturabweichungen auf die Waren auswirken". Bereits eine Kühlungsverzögerung von nur zwei Stunden könne bei der Erdbeerernte zu einem Verlust von zehn Prozent absatzfähiger Früchte führen.
Nach Meinung der Jacobs-Forscher ist eine deutliche Verbesserung der Kühlketten-Effizient oft schon mit geringem Aufwand möglich. Sie empfehlen, dass sich die verschiedenen Akteure der Kühlkette besser koordinieren, etwa durch den Einsatz der Funktechnologie RFID. Auch Etiketten mit einem so genannten TTI (time temperatur indicator) könnten zur Lösung des Problems beitragen, sagt Marc Büttgenbach, Sales Director Labels and Consumables beim Lösungsanbieter Bizerba: „Das OnVu-Etikett wird zu Beginn des Produktweges mit UV-Licht aufgeladen. Die blaue Pigmentfarbe entfärbt sich umso schneller, je länger das Produkt warm gelagert wird". Das Etikett mache Kühlkettenunterbrechungen sofort sichtbar.
Quelle: Klartext