Berlin. In Verbraucherinterviews mit dem Rheingold Institutbekräftigte knapp die Hälfte der Konsumenten ihr Vertrauen in Lebensmittel.Nichts desto Trotz gaben etwa 60 Prozent der Befragten an, ihrEinkaufsverhalten aufgrund von Lebensmittelskandalen zumeist vorübergehend zuändern. Auch getrieben von der Berichterstattung über Vorfälle beiLebensmitteln erwarten die meisten der befragten Verbraucher eine Zunahmesolcher Vorfälle.
Allerdings differenzieren Konsumenten nur selten: So fälltdem Einzelnen die Abgrenzung zu „Fehlentwicklungen“ und Bedrohungen auf anderenFeldern oft schwer. Häufig werden Lebensmittelskandale z.B. in einem Kontextmit der Vogel- oder Schweinegrippe und sogar der Finanz- und Bankenkrisediskutiert.
Die qualitative Studie – wie tickt der Verbraucher?
Die qualitative Studie zeigt eine Bereitschaft derKonsumenten, Regulierungen und „Normierungen“ zu unterstützen, die dievermeintlichen „Fehlentwicklungen“ einzuschränken versprechen. Zudem wird meist eine grundsätzlich positive Haltunggegenüber Beiträgen von Medien eingenommen, die „Missstände bei Lebensmittelnaufdecken“ – auch wenn viele Befragte davon ausgehen, dass Medien zurÜbertragung neigen.
Ein Teil der Befragten entwickelt vor diesem Hintergrundmehr oder weniger starke asketische, tendenziell lustfeindliche Züge im Umgangmit Lebensmitteln (reduzierter Fleischkonsum, kritische Haltung gegenüberFetten, Zuckeranteilen etc.). Diese Auffassungen werden nach den Erkenntnissen der Studiedas öffentliche Meinungsbild künftig stärker beeinflussen. Der psychologische Hintergrund für diesen Trend liegt imEmpfinden vieler Befragter darin, dass das gesellschaftliche Miteinander in denletzten Jahren aus den Fugen geraten sei. Es habe Verhaltensweisen wie Habgier,Verantwortungslosigkeit, Völlerei begünstigt. Zurückhaltung und Askeseerscheint Vielen auch dann tugendhaft und vorbildlich, wenn sie es selbst nichttun.
Paradoxerweise braucht gerade diese Bewegung zu mehr TugendSkandale, um die eigene Relevanz zu bestätigen. Es entsteht daher einegrundsätzliche Disposition und Neigung, an Skandale zu glauben, die „aufgedeckt“werden müssen.
Ableitungen und Empfehlungen
Das Rheingold-Institut kommt zu dem Schluss, dass dieNeigung, Lebensmittelskandale zu beachten, eher zunehmen wird. Auch der Hangvon Organisationen und Medien, „Skandale zu finden und aufzudecken“ wird sicheher noch verstärken. Die vielfältig vorhandenen Aktivitäten des Handels undder Ernährungsindustrie in Bezug auf Lebensmittelqualität und Glaubwürdigkeitkönnen hier als Gegengewicht punkten und das Vertrauen der Konsumenten weiterstärken.
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