Bei der industriellen Herstellung von Futtermitteln könne eine Kontamination durch kritische Zusatzstoffe nie komplett ausgeschlossen, jedoch durch eine Reihe von Maßnahmen zumindest minimiert werden, erklärte Dr. Klaus-Dietrich Neumann vom IFF-Forschungsinstitut Futtermitteltechnik. Wesentliche Merkmale der Produktion von Futtermitteln seien eine Vielzahl unterschiedlicher Mischungen und das häufige Ändern der Formulierungen, die eine nicht intendierte Übertragung von Zusatzstoffen auf andere Produkte begünstigen. Als konkrete Ursache für den Eintrag der Kontaminanten könnten unter anderem Staubrückstände auf Oberflächen, nur langsam sedimentierende Stäube und Krustenbildung aufgrund ungeeignet zugegebener Flüssigkeiten genannt werden, so Neumann weiter. Eine Reduktion der Übertragung sei über verschiedene Wege zu erreichen. Unter anderem könne eine direkte Zugabe von Zusatzstoffen und Vormischungen helfen, das Problem zu minimieren. Daneben seien jedoch auch andere Vorkehrungen sinnvoll: Laut Neumann sollten übergroße Förder- und Lagersysteme genauso wie Unterfüllungen von Mischern, Behältern und Silos vermieden werden. Ablagerungen und Krusten müssten in regelmäßigen Abständen entfernt und eine vollständige Leerung der Vorratsbehälter, Waagen und Kühler nach einem Wechsel der Futtermittelzusammensetzung sichergestellt werden.
Schwermetalle - nicht selten in Futtermitteln zuhause
Immer wieder in der Diskussion um verunreinigte Lebensmittel befinden sich Schwermetalle. Diese seien entweder natürlichen Ursprungs (z.B. vulkanische Aktivität, in Steinen und Mineralien) oder vom Menschen selbst verursacht, erörterte Jens J. Sloth (National Food Institute - DTU Food, Dänemark). Unter anderem seien landwirtschaftliche Aktivitäten wie der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, industrielle Abfälle oder der Bergbau für erhöhte Aufkommen von toxischen Schwermetallen verantwortlich, so Sloth. Zu diesen zählen laut Weltgesundheitsorganisation WHO die Metalle Blei, Quecksilber, Kadmium und Arsen, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority - EFSA) als "unerwünschte Substanzen" in Futtermitteln betrachtet werden und deren maximale Konzentration in der Richtlinie 2002/32/EC festgelegt ist. Jedes der genannten Metalle lässt sich auf einige wenige Hauptquellen zurückführen: Während Kadmium in hoher Konzentration im Erdreich, in Futterpflanzen und Düngemitteln zu finden ist, findet Arsen hauptsächlich über Pestizide und Wachstumsbeschleuniger seinen Weg in Pflanze und Tier. Doch nicht nur domestizierte Tierarten sind von der Verunreinigung der Futtermittel betroffen: auch Aquakulturen weisen über quecksilberhaltiges Fischmehl, dass zur Fütterung der Zuchtfische benutzt wird, einen hohe Konzentration an Schwermetallen auf. Die EFSA sehe insbesondere bei Kadmium und Arsen einen Bedarf, die bisherige Belastung zu reduzieren. Die Belastung durch Blei sei dagegen vergleichsweise gering, sodass laut EFSA nur besondere Vorsicht bei Risikogruppen wie Kindern und schwangeren Frauen geboten sei, fasste Sloth die Position der Behörde zusammen.
Steigende Bedeutung von Prävention und professionellem Krisenmanagement
Speziell in Regionen, in denen eine hohe Dichte an Nutztieren und Produktionsanlagen bestehe, seien die Konsequenzen einer Lebensmittelkrise für Wirtschaft und Konsumenten nahezu unkalkulierbar, stellte Prof. Eberhard Haunhorst (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit - LAVES) klar. Neben den gesundheitlichen Gefahren bestünden die Folgen vor allem in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Schaden und einem möglicherweise lange andauernden Rückschlag für die (Produktions-) Region als Ganzes. Haunhorst plädierte dafür, die Aktivitäten auf dem Gebiet der Schutzmaßnahmen weiter auszubauen und ein konsistentes Vorgehen auf Länder- und Behördenebene in Sachen Krisenmanagement und -kommunikation zu entwickeln. So müssten beispielsweise Krisentrainings und ein einheitliches Handlungsschema für Krisenfälle etabliert werden. Ansatzpunkte der Verbesserung seien zudem die praktikable Rückverfolgbarkeit von Futter- und Lebensmitteln, ein umfassendes Datenmanagement sowie die systematische Untersuchung potenziell riskanter Rohmaterialien.
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