Die Vergabe des „DLG Sensorik Awards" erfolgte durch die DLG und den DLG-Ausschuss Sensorik. Die Bewerber mussten ihre wissenschaftlichen Arbeiten über ein „Call-for-Papers-Verfahren" einreichen. Im Mittelpunkt standen die produkt- und branchenübergreifenden Themenbereiche „Sinnesphysiologie und sinnesphysiologische Grundlagen", „Sensorische Methoden (Analytik und Hedonik)", „Panelrekrutierung, -schulung und -motivation für sensorische Prüfungen" sowie „Statistische Methoden". Aus den eingereichten Abstracts ermittelte der wissenschaftliche Beirat im DLG-Ausschuss Sensorik dann die fünf Arbeiten, die im Rahmen der Fachveranstaltung „Sensorikwissenschaft & Nachwuchs" auf den DLG-Lebensmitteltagen als Vortrag präsentiert wurden. Auf Basis dieser Präsentationen ermittelte die Experten-Jury dann den Preisträger.
Beeindruckt war der wissenschaftliche Beirat des DLG-Sensorik-Ausschusses von der Praxisrelevanz der Themen sowie dem hohen wissenschaftlichen Anspruch der präsentierten Forschungsprojekte. „Die gezeigten Leistungen belegen, dass die deutsche Sensorikwissenschaft über hervorragende Nachwuchs-Wissenschaftler verfügt. Die präsentierten Studien unterstreichen darüber hinaus die Bedeutung sensorischer Forschung angesichts der aktuellen Anforderungen an Lebensmittel", so Prof. Dr. Jörg Meier von der HS Neubrandenburg, der im DLG-Ausschuss Sensorik federführend die Projekte im Bereich „Sensorikwissenschaft & Nachwuchs" betreut.
Karin Hoppert (37 Jahre) ist die erste Preisträgerin der neuen Auszeichnung für die deutschsprachige Sensorikwissenschaft. Die Lebensmitteltechnologin, Absolventin der Universität Hohenheim, ist seit 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Lebensmittel und Bioverfahrenstechnik an der Technischen Universität Dresden bei Prof. Dr. Harald Rohm. Karin Hoppert erhält die Auszeichnung für ihre herausragende wissenschaftliche Arbeit im Bereich „Fettwahrnehmung: Bestimmung der Differenzschwellen von Fett in Modell-Emulsionen":
Fett ist der energiereichste Hauptinhaltsstoff in Lebensmitteln und spielt eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung von Geschmack und Textur. Überhöhter Fettkonsum und das möglicherweise daraus resultierende Übergewicht ist heute ein bedeutender Faktor für die Entstehung verschiedener ernährungsmitbedingter Erkrankungen. Es ist daher von großem Interesse, den Fettgehalt in Lebensmitteln bei gleichbleibender Qualität zu reduzieren. Ziel der mit dem „DLG Sensorik Award" ausgezeichneten Arbeit war es, differentielle Wahrnehmungsschwellen für den Fettgehalt in Lebensmitteln zu bestimmen. Insbesondere wurde geprüft, inwieweit eine Fettreduktion ohne sensorische Einbußen möglich ist. Dazu wurde in einer vanillesoßenähnlichen Modellemulsion der Fettgehalt in einem Bereich von 1 % bis 29 % variiert. Die Maskierung von viskositätsbedingten sensorischen Unterschieden erfolgte mit definierten Mengen Johannisbrotkernmehl. Die Süße wurde durch Anpassung der Zuckerkonzentration in der wässrigen Phase angeglichen. Einem 10-köpfigen geschulten Prüferpanel wurden dann in randomisierter Reihenfolge Probenpaare gereicht, die jeweils die Referenz (25%, 15 % bzw. 5 %) und eine Probe mit höherem oder niedrigerem Fettgehalt enthielten. Als Prüfaufgabe wurden die Prüfer nach der Probe mit dem niedrigeren Fettgehalt gefragt. Die Ermittlung von Differenzschwellenwerten kann Lebensmittelherstellern Hinweise auf für den Verbraucher nicht mehr wahrnehmbare Unterschiede liefern. Mit Hilfe der im Modellprodukt ermittelten Differenzschwellenwerte für Fett können Lebensmittel hinsichtlich ihrer Eigenschaften wie Textur und Fettgehalt leichter angepasst werden.